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Die Jugendbildungsstätte Marstall Clemenswerth und das Christophorus-Werk haben gemeinsam ein Programm für Berufseinsteiger aufgelegt. Doch was lernen die Auszubildenden bei dem Seminar?


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Schulung soll mehr Schutz vor Gewalt bieten

24 Mitarbeitende aus mehreren Einrichtungen der Behindertenhilfe, darunter alleine 13 aus dem Christophorus-Werk Lingen e. V., haben erfolgreich eine Fortbildung zum Professionellen Deeskalationsmanagement (ProDeMa) absolviert. Im Rahmen einer kleinen Feierstunde erhielten sie im Christophorus-Werk Lingen e. V. Anfang November ihre Zertifikate.

Konflikterfahrungen gehören zum Arbeitsalltag in Einrichtungen

Marita Rosken, Leiterin für den Bereich Wohnen, Begegnung, Assistenz und für die Organisation der Fortbildung verantwortlich, begrüßte die Absolventen der Weiterbildung sowie die anwesenden Leitungskräfte und Referenten. Sie zeigte sich erfreut, dass dieses wichtige Thema als Inhouse-Schulung im Christophorus-Werk angeboten werden konnte. Georg Kruse, Geschäftsführer des Christophorus-Werkes Lingen e. V., dankte allen Teilnehmenden, dass sie sich dieser Herausforderung gestellt haben. Er machte auch den Anlass für diese Fortbildung deutlich: „In Ihrer Arbeit mit Menschen mit Behinderung sind Sie immer wieder mit herausforderndem Verhalten, Konflikten oder sogar Gewalt konfrontiert. Denn immer häufiger wird den Menschen, die die Angebote unserer Einrichtung annehmen, zusätzlich zu ihrer Behinderung eine sogenannte soziale-emotionale Störung attestiert.“ Das umfasst alle Altersgruppen, vom Kindergarten- bis zum Seniorenalter.

Personalschlüssel sind nicht auf herausforderndes Verhalten ausgelegt

Insbesondere in den Wohnangeboten des Christophorus-Werkes seien herausfordernde Verhaltensweisen und Konflikterfahrungen in den letzten Jahren stetig gestiegen, so Kruse. Der Grund dafür: „Menschen mit einer leichten Behinderung gelingt es heute besser, in der Gesellschaft Fuß zu fassen und an ihr teilzuhaben. In den stationären Angeboten unserer Einrichtungen hingegen haben wir dadurch prozentual immer mehr Menschen mit schweren und schwersten Beeinträchtigungen. Zu den Auswirkungen der Beeinträchtigung gehören dabei auch selbst- und fremdaggressive Verhaltensweisen.“ Darauf könnten die Einrichtungen nur mit einer guten Personalausstattung, im Einzelfall bis hin zur Einzelbetreuung, reagieren. Doch dafür sind die gegenwärtigen Personalschlüssel überhaupt nicht ausgelegt. Dieses Defizit versuchen die Einrichtungen durch einen kompetenten und professionellen Umgang mit den Auswirkungen der Behinderungen auszugleichen.

Einrichtungsübergreifende Schutzmaßnahmen sollen entstehen

Die Schulung zum ProDeMa-Trainer bzw. zur ProDeMa-Trainerin ist ein erster Schritt, in den Einrichtungen diesem Problem auch strukturell zu begegnen. Die Fortbildung hierfür war in verschiedenen Stufen ausgerichtet: Geht es im ersten Schritt darum, die bestehenden Strukturen auf ihr Konfliktpotenzial hin zu analysieren, so lauten die folgenden, entstandene Konflikte kritisch zu beurteilen und durch Änderungen möglichst künftig zu vermeiden. Dozent Philipp Diermaier vom ProDeMa-Institut für Professionelles Deeskalationsmanagement machte aber auch deutlich: „Dass Gewalt und Konflikte in einem System völlig vermeidbar sind, ist eine Illusion. Aber man kann sie kritisch reflektieren und an nachhaltiger Prävention arbeiten.“ Er lobte die Einrichtungen, dass sie sich zu dieser Fortbildung entschlossen haben, denn: „Sich mit Gewalt auseinanderzusetzen, erfordert Mut.“

Politik muss mehr Fachpersonal ermöglichen

Christophorus-Werk-Geschäftsführer Kruse dankte allen Absolventen sehr für ihr Engagement, welches nach der Zertifikatsübergabe noch weitergehen wird: Im Folgenden werden die Absolventinnen und Absolventen ihr Wissen an die Mitarbeiterschaft weitergeben. Schritt für Schritt soll in allen Einrichtungen dann ein übergreifendes Deeskalationsmanagement entstehen. Kruse dankte auch den Leitungskräften der Abteilungen, die diese Fortbildung unterstützen, und den Organisatorinnen – damit in Zukunft die Arbeitsstelle für die Mitarbeitenden und das Wohnen, Leben, Lernen und Arbeiten in den Einrichtungen für die Klienten sicherer sein wird. Doch das ist nur ein Schritt in diese Richtung: Die entscheidenden Weichen für mehr Fachpersonal muss die Politik stellen.