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Prototypen vorgestellt

Konkret entwickelten die jungen Leute Arbeitshilfen für drei Beschäftigte, die in der Werkstatt für Menschen mit Behinderung (WfbM) Fest- und Siegesschleifen (z. B. für den Pferdeturniersport oder Tierausstellungen) produzieren oder in der Konfektionierung arbeiten. Am 8. Juni stellten sie in der Werkstatt ihre Prototypen den Beschäftigten sowie Mitarbeitenden und Leitungskräften der WfbM vor.

Auslöser für die Zusammenarbeit zwischen Werkstatt und Hochschule war die Feststellung innerhalb der WfbM, dass die drei in der Werkstatt Beschäftigten einige Schwierigkeiten hatten, mit den vorhandenen Arbeitsgeräten Schleifenbänder exakt zu tackern, zu schneiden oder Nieten anzahlgenau zu verpacken. Klaus van Kampen, Bereichsleiter Berufliche Bildung und Arbeit des Christophorus-Werkes, wandte sich Ende 2016 kurzerhand an Dr. Jürgen Adamek, Professor für Konstruktionstechnik im Institut für Management und Technik der Hochschule Osnabrück. Er fragte an, ob Adamek seine Studierenden mit dieser Aufgabe im Rahmen eines Kooperationsprojektes betrauen würde – und Adamek sagte umgehend zu.

„Ich war von dieser Idee begeistert, weil es unseren Studierenden einmal völlig neue Problemstellungen in einem bislang unbekannten Kontext liefert“, sagte Adamek. „Wir haben eine praktische Semesteraufgabe für Studierende des Allgemeinen Maschinenbaus im Rahmen einer Studienveranstaltung daraus gemacht.“ Adamek ist außerdem überzeugt davon, dass die Studierenden „ihre Sozialkompetenz enorm erweitert haben, da sie im Verlauf des Semesters immer wieder in der WfbM zu Gast waren und mit den Beschäftigten gesprochen haben.“ Die Wege waren kurz, denn die Fakultät hat ihren Sitz in Lingen.

In sechs Arbeitsgruppen machten sich die jungen Leute an die Problemlösung. Dazu sprachen sie mit den Beschäftigten, schauten sich ihre Arbeit und die bisherigen Arbeitsgeräte an, analysierten das Problem, gewichteten Faktoren wie Arbeitssicherheit, Produktivität und Ergonomie. Auf dieser Grundlage entwickelten sie Lösungskonzepte und bauten Prototypen für Schneidemaschinen, Tackerhilfen und zum Abfüllen von Blindnieten. Das Material hierfür stammte wahlweise vom eigenen Dachboden, aus der Werkstatt der Hochschule oder aus dem hochschuleigenen 3D-Drucker. Einiges ließen die Studierenden auch passgenau in der Holz- oder Metallabteilung der WfbM fertigen. Immer zwei Arbeitsgruppen befassten sich mit einem Problem, so dass die Studierenden am 8. Juni verschiedene Lösungen präsentierten.

Student Janek Kühn blickt positiv auf diese Herausforderung zurück: „Der Druck, diese Aufgabe zu meistern war größer, weil das Problem nicht hypothetisch, sondern real war. Die Beschäftigten haben ihre eigenen Anforderungen gestellt, denen wir entsprechen wollten.“ Ob es eine Hemmschwelle zu überwinden gab? „Fehlanzeige“, sagt Kühn.

Bereichsleiter van Kampen sprach Adamek und den Studierenden zum Abschluss der Präsentation seinen Dank aus: „Sie haben diese Idee engagiert aufgegriffen und dabei eine andere Arbeitswelt kennengelernt: Auf dem freien Arbeitsmarkt sucht man Menschen für Arbeit. Wir in der WfbM suchen leistbare Arbeit für Menschen, die besondere Hilfsmittel oder Unterstützung benötigen.“

In den kommenden Wochen werden die Prototypen in der WfbM intensiv auf Herz und Nieren getestet. Was den Test besteht, wird nachgebaut und kommt dann zur Anwendung. Sowohl Prof. Dr. Adamek als auch Klaus van Kampen sind sich schon jetzt sicher, gemeinschaftliche Projekte dieser Art weiter fortsetzen zu wollen.